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Sind wir auch eine Familie, wenn wir keine Kinder haben?

 Wenn wir an Familie denken, entstehen oft ganz bestimmte Bilder im Kopf.
Eltern. Kinder. Vielleicht ein gemeinsames Zuhause. Und gleichzeitig gibt es so viele Formen, in denen Menschen miteinander leben, sich verbunden fühlen und füreinander Verantwortung übernehmen. Ein Paar ohne Kinder.
Eine Patchworkfamilie.
Menschen, die sich ihre Familie selbst gewählt haben.
Familien, die sich nach einer Trennung neu sortieren.
Menschen, die zu zweit durchs Leben gehen und sich längst als Familie fühlen. Vielleicht ist deshalb weniger die Frage, wer zu einer Familie gehören muss, sondern vielmehr, was Familie für uns persönlich ausmacht.Ist es Verwandtschaft?
Ein gemeinsamer Alltag?
Verantwortung füreinander?
Zugehörigkeit?
Das Gefühl, irgendwo zuhause zu sein? In meiner Arbeit begegnen mir ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was Familie bedeutet. Und ich mag den Gedanken, Familie nicht an einer bestimmten Zusammensetzung festzumachen. Denn Beziehungen und Zugehörigkeit lassen sich nicht immer in ein vorgegebenes Bild einordnen. Vielleicht dürfen wir Familie deshalb etwas weiter denken.

Wann fühlt sich Familie für Sie eigentlich nach Familie an?

Wie verändert ein Kind die Partnerschaft?

Ein Kind kommt zur Welt – und mit ihm verändert sich oft mehr als nur der Alltag. Aus zwei Menschen, die bisher vor allem Partner waren, werden Eltern. Eine neue Beziehung entsteht, neue Rollen kommen dazu und plötzlich muss vieles, was vorher selbstverständlich war, neu ausgehandelt werden.Wer steht nachts auf?
Wer denkt an die nächste Untersuchung?
Wer merkt, dass die Windeln bald leer sind?
Wer arbeitet wie viel?
Und wann waren wir eigentlich das letzte Mal einfach nur wir zwei? Manchmal entsteht dabei eine Nähe, die vorher so noch nicht da war. Gemeinsam dieses kleine Wesen anzuschauen, Verantwortung zu tragen, erste Momente miteinander zu erleben. Und manchmal entsteht gleichzeitig Abstand. Weil einer mehr übernimmt. Weil Erwartungen unterschiedlich sind. Weil kaum noch Zeit füreinander bleibt. Weil beide müde sind. Oder weil man plötzlich Seiten am anderen und auch an sich selbst kennenlernt, die vorher wenig Raum hatten. Vielleicht verändert ein Kind deshalb nicht nur die Partnerschaft. Es bringt auch vieles in Bewegung, was wir darüber gelernt haben, wie Familie sein sollte, wer wofür verantwortlich ist und was wir voneinander erwarten. Und irgendwo zwischen Elternsein, Alltag, Verantwortung, Erschöpfung und all den kleinen und großen Momenten gibt es weiterhin diese Beziehung, mit der alles einmal angefangen hat. Vielleicht muss sie nach einem Kind nicht wieder so werden wie vorher. Vielleicht darf die spannendere Frage sein:

Wie wollen wir uns als Paar in diesem neuen Leben wiederfinden?

Wenn wir denselben Streit ganz unterschiedlich erleben

„Ich habe mich zurückgezogen, weil du so laut geworden bist.“„Ich bin laut geworden, weil du dich zurückgezogen hast.“Zwei Menschen.
Eine Situation.
Und zwei ganz unterschiedliche Geschichten darüber, was eigentlich passiert ist. Vielleicht kennen Sie solche Momente. Man selbst ist sich ziemlich sicher, warum man so reagiert hat. Und der Mensch gegenüber ist sich genauso sicher. Dann wird diskutiert, erklärt, manchmal verteidigt. Wer hat angefangen? Wer hat wen verletzt? Wer hätte anders reagieren müssen?Und irgendwann merkt man vielleicht: Wir reden schon lange darüber – und kommen uns trotzdem nicht näher. Was ist, wenn nicht eine Geschichte falsch sein muss, damit die andere richtig sein kann? Vielleicht habe ich mich zurückgezogen, weil es mir zu viel wurde.
Und vielleicht hat mein Rückzug bei dir etwas ausgelöst, das dich noch lauter werden ließ. Beides kann nebeneinander stehen. Das bedeutet nicht, dass alles in Ordnung ist, was zwischen zwei Menschen passiert. Verantwortung und persönliche Grenzen bleiben wichtig. Und gleichzeitig muss vielleicht nicht immer zuerst geklärt werden, wer recht hat.

Was könnte zwischen Ihnen entstehen, wenn beide Perspektiven Platz bekommen?